Gira aus Radevormwald hat einen interaktiven „Smart-Home-Typ-Test" auf seiner Website gestartet. Die Kampagne verbindet einen Persönlichkeitstest mit Produktempfehlungen und Gewinnspiel – eine Taktik, die vor allem Consumer-Marken wie Apple oder Amazon nutzen. Für das Elektrohandwerk ist das ein Signal: Auch klassische Gebäudetechnik-Hersteller ändern ihre Akquisestrategie, um private Bauherren direkt zu erreichen.

Der Test auf gira.de richtet sich an Endkunden, die ihr Zuhause mit KNX-Bus oder anderen Smart-Home-Technologien ausstatten möchten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Nach rund zehn Fragen ermittelt das Tool einen „Typ" – etwa „Komfort-Liebhaber" oder „Sicherheits-Fokussierter" – und schlägt passende Gira-Produkte vor. Gleichzeitig können Teilnehmer an einer Verlosung teilnehmen.

Die Kampagne zeigt, wie sich die Kundenansprache verändert: Statt reiner Fachkommunikation über Distributoren und Fachplaner setzt Gira auf niedrigschwellige, unterhaltsame Formate, die potenzielle Auftraggeber direkt erreichen. Das Ziel: Bauherren sollen sich frühzeitig mit der Marke und dem Thema Smart Home auseinandersetzen – und anschließend gezielt nach qualifizierten Fachbetrieben suchen, die mit Gira-Technik arbeiten.

Gamification als Marketing-Instrument der Gebäudetechnik

Für Elektrofachbetriebe ist der Ansatz zweischneidig. Einerseits kann ein gut informierter Endkunde, der bereits eine klare Produktvorstellung hat, ein einfacherer Gesprächspartner sein als jemand, der das Thema Smart Home komplett neu erschließen muss. Andererseits könnte die direkte Kundenansprache durch den Hersteller die Rolle des beratenden Fachbetriebs schwächen – ähnlich wie es bei Photovoltaik-Portalen oder Direktanbietern bereits der Fall ist.

Andere Hersteller verfolgen vergleichbare Strategien: Jung aus Schalksmühle arbeitet ebenfalls mit Konfiguratoren und Visualisierungs-Tools, Busch-Jaeger setzt auf Online-Planungsassistenten. Allen gemeinsam ist das Ziel, die Komplexität von Gebäudeautomation durch digitale Werkzeuge zu reduzieren und den Markteinstieg für private Bauherren zu erleichtern.

Die Frage für das Elektrohandwerk lautet: Wie positioniert sich der Fachbetrieb in einem Umfeld, in dem Endkunden zunehmend direkt von Herstellern angesprochen und durch automatisierte Tools vorqualifiziert werden? Die Antwort liegt vermutlich in der Verbindung aus technischer Tiefe, herstellerübergreifender Beratung und lokaler Servicequalität – Aspekte, die ein Online-Test nicht abbilden kann.

Was das für Fachbetriebe bedeutet

Elektroinstallateure, die mit Gira arbeiten, könnten von der Kampagne profitieren: Bauherren, die den Test absolviert haben, sind bereits sensibilisiert und suchen aktiv nach Umsetzungspartnern. Allerdings steigt damit auch die Erwartungshaltung – Kunden kommen mit konkreten Produktwünschen ins Gespräch, die nicht immer technisch oder wirtschaftlich optimal sind.

Für die strategische Ausrichtung von Fachbetrieben bleibt die Frage, ob sie selbst in digitale Kundenansprache investieren oder sich weiterhin auf klassische Empfehlungsmarketing-Kanäle verlassen. Initiativen wie der Innungsbetrieb als Wettbewerbsvorteil zeigen, dass Qualitätssiegel und Zertifizierungen weiterhin relevant sind – gerade gegenüber Herstellern, die zwar Produkte verkaufen, aber keine Installation oder Wartung anbieten.

Der Smart-Home-Markt bleibt ein Spannungsfeld zwischen Herstellern, die direkten Zugang zum Endkunden suchen, und Fachbetrieben, die technische Kompetenz und Projektverantwortung tragen. Giras Persönlichkeitstest ist ein weiterer Baustein in dieser Dynamik – und ein Hinweis darauf, dass die Branche sich weiter in Richtung Consumer-orientierter Kommunikation bewegt.

Quellen