Der deutsche Beleuchtungsmarkt befindet sich Mitte 2026 in einer Phase der technologischen Konsolidierung: LED-Technik ist flächendeckend Standard, die Nachfrage verschiebt sich auf intelligente Steuerung, Vernetzung und Nachrüstung. Für Elektrofachbetriebe rücken KNX-Bus-Integration, DALI-Systeme und energieeffiziente Sanierung in den Vordergrund.

Marktsituation: LED-Transition abgeschlossen, Smart-Building-Nachfrage steigt

Die Umstellung von konventionellen Leuchtmitteln auf LED ist in Deutschland weitgehend abgeschlossen. Neuinstallationen setzen ausnahmslos auf LED-Technik, die Retrofit-Nachfrage konzentriert sich auf Gewerbe- und Industriebauten, die noch veraltete Halogen- oder Leuchtstoffröhren-Systeme betreiben. Parallel steigt die Nachfrage nach intelligenten Lichtsteuerungen: Tageslichtabhängige Regelung, Präsenzsensorik und zentrale Bedienung via Gebäudeautomation sind in Bürogebäuden und öffentlichen Einrichtungen zunehmend Pflicht.

Anbieter wie Gira, Jung und Busch-Jaeger erweitern ihr Portfolio um smarte Lichtsteuerungsmodule, die sich nahtlos in KNX- oder Zigbee-Infrastrukturen einbinden lassen. Gira etwa bietet Mehrfach-Tastschnittstellenmodule, die Lichtszenen in Smart-Home-Zentralen integrieren. Jung setzt auf universelle Funk-Schnittstellen, die auch ältere Schaltserien per Nachrüstung smart machen.

Regulatorik: EU-Ökodesign und nationale Energieeffizienz-Auflagen

Die EU-Ökodesign-Richtlinie verschärft seit 2025 die Anforderungen an Leuchtmittel und Leuchten: Mindestlichtausbeute, maximale Leerlaufleistung und Deklarationspflichten für Lebensdauer sind verbindlich. In Deutschland ergänzt die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) Vorgaben für Neubauten: Intelligente Lichtsteuerung mit Präsenzerfassung ist in Nicht-Wohngebäuden ab bestimmten Größenklassen vorgeschrieben.

Für Elektrofachbetriebe bedeutet das: Nachfrage nach Sanierungsprojekten, die veraltete Beleuchtungsanlagen auf LED umstellen und gleichzeitig steuerungstechnisch aufrüsten. Die Kombination aus Leuchtmittel-Tausch, DALI-Verkabelung und Sensor-Integration bietet Umsatzpotenzial, erfordert aber Know-how in digitaler Steuerungstechnik.

Produkttrends: Human Centric Lighting, Tunable White, Matter-Kompatibilität

Human Centric Lighting (HCL), also tageslaufsimulierendes Licht mit variablem Farbtemperaturbereich, ist in Büro- und Bildungsbauten auf dem Vormarsch. Hersteller wie Schneider Electric und Siemens bieten modulare Systeme, die Farbtemperatur und Helligkeit per Zeitplan oder Sensor regeln. Schneider Electric integriert HCL-Funktionen in seine EcoStruxure-Plattform, Siemens kombiniert sie mit dem Desigo-CC-Gebäudemanagement.

Tunable-White-LED-Module sind zunehmend preiswert verfügbar und erleichtern Nachrüstungen. Matter, der neue Smart-Home-Funkstandard, gewinnt an Bedeutung: Erste Leuchtenhersteller kündigen Matter-fähige LED-Leuchten an, die plattformübergreifend mit Apple Home, Google Home und Amazon Alexa steuerbar sind. Für Installateure bedeutet das weniger Abhängigkeit von proprietären Systemen und einfachere Inbetriebnahme.

Wettbewerb und Anbieterstruktur: Konsolidierung, Online-Kanäle, Großhandel

Der deutsche Beleuchtungsmarkt ist geprägt von einem Dreieck aus etablierten Markenherstellern, chinesischen LED-Anbietern und Elektrogroßhändlern mit Eigenmarken. Marktführer wie Hager Group, ABB und Legrand decken Komplettlösungen von Schaltern über Dimmer bis zu Leuchten ab. Hager positioniert seine Lichtsteuerung eng verzahnt mit KNX-Systemtechnik, ABB setzt auf digitale Zwillinge und cloudbasierte Wartung.

Online-Kanäle gewinnen an Bedeutung: Großhändler bauen B2B-Shops aus, Hersteller bieten Konfiguratoren für Projektbeleuchtung. Elektrofachbetriebe stehen unter Preisdruck, können sich aber durch Planungsleistung, Integration in Energiemanagementsysteme und Wartungsverträge differenzieren.

Ausblick: Vernetzung mit PV, Speicher und E-Mobility

Beleuchtung wird in Zukunft nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil des gebäudeweiten Energiemanagementsystems. In Kombination mit Photovoltaik, Energiespeichern und E-Mobilität lässt sich Beleuchtung dynamisch an Stromerzeugung und Netzlast anpassen. Erste Pilotprojekte zeigen: Smarte Lichtsteuerung reduziert Lastspitzen und erhöht den Eigenverbrauch von PV-Strom.

Für Fachbetriebe bedeutet das: Künftig werden Licht, Heizung, Lüftung und Ladeinfrastruktur in einer gemeinsamen Steuerungsebene geplant. Wer heute in KNX-Kompetenz und PV-Speicher-Know-how investiert, positioniert sich für integrierte Elektroprojekte. Der Trend zu KNX-basierten Neubauten und Retrofit-Lösungen im Bestand zeigt: Beleuchtung ist Treiber für Gesamtlösungen, nicht mehr Einzelgewerk.