Der deutsche Beleuchtungsmarkt steht Mitte 2026 vor einem Paradigmenwechsel, der weit über den längst abgeschlossenen Technologiewechsel zu LED hinausgeht. Während die Effizienzgewinne durch Festkörperbeleuchtung weitgehend ausgeschöpft sind, rückt die intelligente Vernetzung von Leuchtmitteln, Sensoren und Gebäudesteuerung in den Fokus von Planern und Elektrohandwerkern.
LED-Markt gesättigt – Integration in Gebäudeautomation wächst
Die reine LED-Substitution ist im gewerblichen wie privaten Bereich nahezu abgeschlossen. Die durchschnittliche Energieeinsparung durch LED liegt bei 60 bis 80 Prozent gegenüber konventionellen Leuchtmitteln, doch Neuanlagen müssen heute deutlich mehr leisten: Anbindung an KNX-Bus-Systeme, DALI-Steuerungen oder drahtlose Protokolle wie Zigbee werden zur Standardanforderung in Neubauten und anspruchsvollen Sanierungen.
Hersteller wie Gira, Jung und Busch-Jaeger erweitern ihre Schalterprogramme kontinuierlich um smarte Bedienelemente mit Präsenzmelder-Integration und Tageslichtregelung. Besonders im Objektbau fordern Auftraggeber zunehmend Lösungen, die Beleuchtung, Heizung und Lüftung in einer einheitlichen Gebäudeautomationsplattform zusammenführen.
Human Centric Lighting wird Standard im Objektbau
Die Steuerung von Farbtemperatur und Helligkeit nach Tageszeit – bekannt als Human Centric Lighting (HCL) – hat sich in Büro- und Gesundheitsbauten etabliert. Studien zeigen, dass dynamisches Licht die Konzentration fördern und den Biorhythmus unterstützen kann. Elektroinstallateure benötigen für die Umsetzung jedoch Kenntnisse in Lichtplanung und Sensorik, die über klassische Installationskompetenzen hinausgehen.
Anbieter wie Schneider Electric und ABB bieten mittlerweile Gesamtlösungen an, die Beleuchtungssteuerung mit Energiemanagementsystemen verknüpfen. Die Kombination aus intelligenter Beleuchtung und Photovoltaik-Eigenerzeugung ermöglicht es, Lastspitzen zu glätten und den Netzbezug zu minimieren.
Neue EU-Verordnungen verschärfen Anforderungen
Die Ökodesign-Richtlinie der EU wurde 2025 um verschärfte Energieeffizienzklassen erweitert. Ab 2027 dürfen nur noch Leuchtmittel mit Effizienzklasse D oder besser in Verkehr gebracht werden. Für Elektrohandwerksbetriebe bedeutet das: Lagerbestände müssen geprüft und gegebenenfalls abverkauft werden. Zudem steigt der Beratungsbedarf bei Kunden, die unsicher sind, welche Produkte langfristig regelkonform bleiben.
Parallel dazu fordert die überarbeitete Gebäudeenergierichtlinie (EPBD) strengere Anforderungen an die Lichtsteuerung in Nichtwohngebäuden. Präsenzmelder und tageslichtabhängige Regelung werden in vielen Fällen verpflichtend, was die Nachfrage nach Gebäudeautomations-Komponenten weiter treibt.
Smarte Notbeleuchtung und Sicherheitskonzepte
Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung der Sicherheitsbeleuchtung. Moderne Notlicht-Systeme melden Störungen automatisch an die Gebäudeleittechnik und protokollieren Wartungszyklen. Die Integration mit Sicherheitstechnik wie Brandmeldern und Evakuierungssteuerung wird zunehmend gefordert – auch hier sind Schnittstellen-Kenntnisse gefragt.
Anbieter wie Hager Group und Eaton Electric positionieren sich mit cloudbasierten Management-Plattformen, die Betreibern Fernwartung und vorausschauende Instandhaltung ermöglichen. Für Installationsbetriebe eröffnet das neue Servicefelder jenseits der klassischen Montage.
Ausblick: Vernetzung als Kernkompetenz
Der Beleuchtungsmarkt in Deutschland entwickelt sich von einem produktzentrierten Geschäft zu einem systemgetriebenen Markt. Elektrohandwerksbetriebe, die frühzeitig in Schulungen zu Gebäudeautomation und smarten Lichtlösungen investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile. Die Integration mit Photovoltaik-Anlagen und E-Mobilität-Ladeinfrastruktur schafft zusätzliche Synergien, wie aktuelle Projekte zeigen. Wer Beleuchtung isoliert betrachtet, verliert den Anschluss an die vernetzte Gebäudetechnik der Zukunft.