Webasto begeht in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Was 1901 als kleiner Hersteller von Eisenbahnzubehör begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zum internationalen Automobilzulieferer. Das Familienunternehmen aus Bayern ist heute vor allem für Cabrio-Dächer, Standheizungen und Klimasysteme bekannt. Doch die Elektromobilitätswende zwingt den Zulieferer zu einer strategischen Neuausrichtung – weg vom Verbrenner, hin zu Ladetechnik und Batterietechnologie.
Vom Nischenhersteller zum Systemanbieter
Der Durchbruch von Webasto kam in den 1930er-Jahren mit dem ersten Schiebedach für Automobile. In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich das Unternehmen als führender Anbieter für Fahrzeugdachsysteme und Standheizungen – Produkte, die eng mit dem Verbrennungsmotor verbunden sind. Die Standheizung als klassisches Winterzubehör verliert jedoch mit dem Vormarsch batterieelektrischer Fahrzeuge an Bedeutung. Elektrische Heizsysteme funktionieren grundlegend anders und ziehen Energie direkt aus der Batterie.
Ladelösungen als neues Standbein
Webasto reagiert auf den Strukturwandel mit einem Ausbau des Geschäftsfelds Energiemanagementsysteme und Ladeinfrastruktur. Das Unternehmen bietet inzwischen Wallboxen für private und gewerbliche Anwendungen an, die sich in bestehende Ladeinfrastrukturprojekte integrieren lassen. Die Technologie rund um AC- und DC-Ladegeräte deckt sowohl den Heimgebrauch als auch gewerbliche Ladeparks ab. Parallel dazu investiert Webasto in Batterie-Integrationssysteme für Nutzfahrzeuge und Busse.
Familienunternehmen unter Transformationsdruck
Die Herausforderung für Webasto liegt darin, das angestammte Geschäft mit Dachlösungen und thermischen Systemen zu sichern und gleichzeitig neue Umsatzquellen zu erschließen. Während Cabrio-Dächer weiterhin gefragt sind, schrumpft der Markt für klassische Standheizungen. Die neuen E-Mobilitätsprodukte müssen diesen Rückgang kompensieren. Zudem steht das Familienunternehmen im Wettbewerb mit etablierten Anbietern wie Wallbox und KEBA Energy Automation, die bereits seit Jahren auf Ladetechnik spezialisiert sind.
Ausblick: Diversifikation als Überlebensstrategie
Für die kommenden Jahre setzt Webasto auf eine Doppelstrategie: Das klassische Geschäft mit Premium-Automobilzulieferung wird weitergeführt, während der Bereich E-Mobilität ausgebaut wird. Die Frage bleibt, ob das Unternehmen schnell genug neue Kompetenzen aufbauen kann, um im hart umkämpften Markt für Ladeinfrastruktur erfolgreich zu sein. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Transformation gelingt – oder ob der Strukturwandel weitere Einschnitte erfordert.
