Mit der Kampagne „Ganz schön hell auf der Platte" bewirbt Otto Fischer aktiv sein Photovoltaik-Sortiment. Der Schweizer Elektrogroßhändler positioniert sich damit in einem Markt, der in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen hat. Die Strategie zeigt exemplarisch, wie etablierte Fachhandelsunternehmen auf die veränderte Nachfrage reagieren – und welche Rolle sie zwischen Hersteller und installierendem Handwerk einnehmen.

Vom Installationsmaterial zum Systemanbieter

Otto Fischer ist seit über 100 Jahren im Schweizer Elektrogroßhandel aktiv. Das Unternehmen beliefert Elektroinstallateure, Industrie und öffentliche Auftraggeber mit Material für Elektroinstallation, Gebäudeautomation und Beleuchtung. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen sein Portfolio sukzessive um Bereiche erweitert, die direkt mit der Energiewende zusammenhängen – Photovoltaik, Energiespeicher und Elektromobilität gehören heute zum festen Sortiment.

Die Kampagne „Ganz schön hell auf der Platte" ist dabei mehr als nur Werbung für Solarmodule. Sie steht für den Anspruch, Installateure mit einem Komplettpaket auszustatten: von der Photovoltaikanlage über Wechselrichter und Speichersysteme bis hin zu Sicherungskomponenten wie Leitungsschutzschaltern und Fehlerstromschutzschaltern. Otto Fischer versteht sich in diesem Kontext als Bindeglied zwischen Herstellern und ausführenden Betrieben – und als Berater für technische Lösungen.

Schweizer Solarmarkt unter politischem und wirtschaftlichem Druck

Der Schweizer PV-Markt wächst. Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) verpflichten in vielen Regionen Bauherren, bei Neubauten einen Teil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Gleichzeitig fördert der Bund über Pronovo die Errichtung neuer Anlagen durch Einmalvergütungen. Die Nachfrage nach Einfamilienhaus-PV-Anlagen und gewerblichen Systemen steigt kontinuierlich.

Für Elektrogroßhändler bedeutet das: Die klassische Produktpalette – Kabel, Schaltermaterial, Verteilertechnik – wird ergänzt durch PV-Komponenten, die technisch anspruchsvoller sind und mehr Beratung erfordern. Wer hier nicht liefert, verliert Marktanteile an spezialisierte Solar-Distributoren oder an Hersteller, die direkt an Installateure verkaufen. Otto Fischer setzt auf eine Doppelstrategie: breites Sortiment plus fachliche Kompetenz.

Mehr als Logistik: Beratung als Wettbewerbsvorteil

Großhandelsunternehmen wie Otto Fischer stehen vor der Herausforderung, sich gegenüber Online-Plattformen und Direktvertrieben zu behaupten. Die Antwort liegt in Dienstleistungen, die über reine Warenverfügbarkeit hinausgehen. Dazu zählen technische Beratung, Schulungen für Installateure und die Zusammenstellung abgestimmter Systemlösungen – etwa Eigenverbrauchsoptimierung mit Energiemanagementsystemen und Speichern.

Otto Fischer bietet nach eigenen Angaben nicht nur Einzelkomponenten an, sondern unterstützt Elektrofachbetriebe bei der Planung und Kalkulation von PV-Projekten. Das umfasst die Auswahl passender Module, die Dimensionierung von Wechselrichtern und die Integration von Speichern. Auch die Abstimmung mit den Anforderungen der Einspeisevergütung und der Netzanschlussbedingungen gehört zum Service. Für Installateure bedeutet das: Sie können aus einer Hand bestellen – und sparen Zeit bei der Koordination.

Sortiment und Herstellerpartnerschaften

Das Photovoltaik-Portfolio von Otto Fischer umfasst Module, Wechselrichter, Montagesysteme, Speicher und Zubehör. Das Unternehmen arbeitet mit etablierten Herstellern wie SolarEdge zusammen, einem Anbieter von Wechselrichtern und Leistungsoptimierern. Auch Komponenten von Schneider Electric, ABB und Hager Group – bekannt für Verteiler- und Schutztechnik – finden sich im Sortiment. Die Kombination aus globalen Marken und lokaler Verfügbarkeit ist ein zentrales Verkaufsargument.

Hinzu kommen ergänzende Produkte für die sichere Installation: Potenzialausgleich-Komponenten, Überspannungsschutz und Mess- und Regeltechnik. Otto Fischer positioniert sich damit als Vollsortimenter, der nicht nur PV-Spezialisten, sondern auch Elektroinstallateure mit breitem Leistungsspektrum bedient.

Konkurrenz durch spezialisierte Solar-Distributoren

Otto Fischer ist nicht allein auf dem Schweizer Markt. Unternehmen wie BKW Energie bieten ebenfalls Lösungen für Installateure an – teilweise sogar aus einer Hand mit Energieversorgung. Auch regionale Elektrogroßhändler und reine Solar-Distributoren konkurrieren um dieselbe Zielgruppe. Der Vorteil von Otto Fischer liegt in der bestehenden Kundenbasis: Wer ohnehin Kabel, Schalter und Verteilertechnik bei Otto Fischer bezieht, bestellt PV-Komponenten gleich mit.

Die Herausforderung besteht darin, Installateure von der eigenen PV-Kompetenz zu überzeugen. Viele Elektrofachbetriebe haben in den vergangenen Jahren eigene Partnerschaften mit Solarherstellern aufgebaut oder beziehen über spezialisierte Distributoren. Otto Fischer muss hier mit Service, Verfügbarkeit und Preis punkten.

Rolle in der Schweizer Energiewende

Die Schweizer Energiestrategie 2050 sieht einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Photovoltaik spielt dabei eine Schlüsselrolle. Bis 2035 soll die installierte PV-Leistung deutlich steigen. Großhändler wie Otto Fischer sind Teil dieser Wertschöpfungskette: Sie machen Technologie verfügbar, schulen Installateure und sorgen für die Verbreitung von Standards.

Gleichzeitig profitieren sie vom Wachstum. Jede installierte Gewerbe-PV-Anlage bedeutet Umsatz mit Modulen, Wechselrichtern, Kabeln und Sicherungskomponenten. Auch das Thema Elektromobilität – eng verknüpft mit PV – bietet zusätzliche Absatzchancen. Otto Fischer hat sein Portfolio bereits um Wallboxen und Ladelösungen erweitert, die sich mit PV-Überschussladen kombinieren lassen.

Fazit: Breitenvertrieb statt Nischenspezialisierung

Mit der Kampagne „Ganz schön hell auf der Platte" unterstreicht Otto Fischer den Anspruch, im Photovoltaik-Geschäft als vollwertiger Partner für Installateure aufzutreten. Die Strategie setzt auf Sortimentsbreite, Beratung und die Integration von PV in das bestehende Elektrohandwerk. Das Unternehmen positioniert sich nicht als Solar-Spezialist, sondern als Generalversorger, der alle Bereiche der Elektroinstallation abdeckt – inklusive Photovoltaik. Ob diese Positionierung langfristig gegenüber spezialisierten Wettbewerbern standhält, hängt davon ab, wie stark Otto Fischer in Schulung, Verfügbarkeit und technischen Support investiert. Die Nachfrage ist da – die Frage ist, wer sie am effizientesten bedient.

Weitere Einblicke in die strategische Ausrichtung des Unternehmens liefert der Beitrag Otto Fischer veröffentlicht Zertifikate und Leitbild.

Quellen