Die Interessensvertretung Österreichs Energie hat einen Standpunkt zum Netzausbau veröffentlicht und warnt vor drohenden Engpässen im österreichischen Stromnetz. Der steigende Strombedarf durch E-Mobilität, Wärmepumpen und die Dekarbonisierung der Industrie bringt die bestehende Infrastruktur an ihre Grenzen. Die Branche fordert beschleunigte Genehmigungsverfahren und höhere Investitionen in den Netzausbau.
Konkret geht es um die Modernisierung und den Ausbau der Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze. Ohne rasche Maßnahmen drohen laut der Interessensvertretung Verzögerungen bei Netzanschlüssen für Photovoltaik-Anlagen, Ladeinfrastruktur und gewerbliche Neubauten. Betroffen wären auch Smart-Building-Projekte, die auf eine zuverlässige Netzanbindung angewiesen sind.
Die politischen Forderungen umfassen eine Vereinfachung der Raumordnungs- und Umweltprüfungsverfahren sowie eine ausreichende Finanzierung der Netzbetreiber. Österreichs Energie argumentiert, dass die aktuellen Planungs- und Genehmigungszyklen nicht mit dem Tempo der Energiewende Schritt halten. Ähnliche Diskussionen laufen auch in Deutschland, wo Branchenvertreter ebenfalls mehr Tempo bei der Energiewende fordern.
Für Elektroinstallateure und Planer ergeben sich aus dem Investitionsstau zwiespältige Signale. Einerseits könnten Netzengpässe Projekttermine verzögern und die Inbetriebnahme von Anlagen hinauszögern. Andererseits dürfte ein forcierter Netzausbau mittelfristig zusätzliche Aufträge im Bereich der Netzanschlusstechnik, Gebäudeautomation und intelligenter Laststeuerung generieren.
Besonders betroffen sind Regionen mit hohem Zubau erneuerbarer Energien und starker gewerblicher Entwicklung. Netzbetreiber wie EVN Niederösterreich stehen vor der Herausforderung, sowohl die Einspeisekapazitäten für PV-Anlagen als auch die Entnahmekapazitäten für Ladepunkte zu erweitern. Die Integration von Speichersystemen und bidirektionalen Ladestationen könnte Teil der Lösung sein, setzt aber ebenfalls eine leistungsfähige Netzinfrastruktur voraus.
Die Interessensvertretung plant, ihre Forderungen in den kommenden Monaten in Gesprächen mit Bundes- und Landesregierungen zu konkretisieren. Eine Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen würde voraussichtlich frühestens 2025 erste Wirkung zeigen. Elektrofachbetriebe sollten die Entwicklung beobachten, da sich daraus sowohl Risiken für laufende Projekte als auch Chancen für neue Geschäftsfelder ergeben. Verwandte politische Initiativen dokumentiert der Artikel Österreichs Energie fordert Nachbesserungen am ElWG-Entwurf.

