Die Gebäudeautomation in Deutschland befindet sich Mitte 2026 in einer Phase der Konsolidierung und Professionalisierung. Getrieben von verschärften Energieeffizienz-Vorgaben und steigenden Anforderungen an Nichtwohngebäude rüsten Betreiber auf – während klassische Elektrofachbetriebe ihr Leistungsspektrum erweitern müssen.

Regulatorik: GEG und EU-Richtlinien setzen Impulse

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in seiner aktuellen Fassung fordert zunehmend automatisierte Steuerungen in Nichtwohngebäuden. Ab 2025 greifen verschärfte Vorgaben für Heizungs- und Klimatechnik, die ohne KNX-Bus oder vergleichbare Systeme kaum wirtschaftlich umsetzbar sind. Parallel dazu treiben die EU-Vorgaben zur Gebäuderichtlinie (EPBD) die Digitalisierung voran: Smart Meter werden zur Pflicht, Energiemanagementsysteme rücken in den Fokus.

Die DIN EN ISO 52120 zur Gebäudeautomation wurde 2023 überarbeitet und gilt seit Anfang 2024 als Referenz für Energieeffizienz-Nachweise. Planer und Errichter müssen Anlagenfunktionen heute präziser dokumentieren und in Energieausweise einpflegen – ein bürokratischer Aufwand, der jedoch die Nachfrage nach standardisierten Systemen befeuert.

Hersteller-Aktivitäten: Portfolio-Erweiterungen und Ökosystem-Strategie

Busch-Jaeger hat in den vergangenen Monaten seine KNX-Produktlinien erweitert und setzt verstärkt auf Retrofit-Lösungen für Bestandsgebäude. Das Unternehmen positioniert sich mit Funk-Komponenten und Hybrid-Systemen gezielt im Segment zwischen klassischer Elektroinstallation und vollständiger Gebäudeautomation. Parallel dazu strukturiert der Hersteller sein Portfolio neu, um Planern und Errichtern klarere Produktlinien anzubieten – ein strategischer Schritt, der die Systemauswahl vereinfachen soll.

Hager Group treibt die Integration von Zählerschrank-Komponenten in Gebäudeautomationssysteme voran. Die Unternehmensgruppe erweitert ihr univers-Z-Sortiment um smarte Schnittstellen, die Energiedaten direkt an übergeordnete Systeme liefern. Damit reagiert Hager auf die wachsende Nachfrage nach Transparenz und Effizienz in Gewerbeimmobilien. Die neuen Komponenten erleichtern die Nachrüstung bestehender Anlagen.

Schneider Electric fokussiert sich auf die Verzahnung von Gebäudeautomation und Energiespeichern. Der Konzern baut seine Cloud-Plattformen aus und bietet Betreibern zunehmend SaaS-Modelle für Energiemanagement und Predictive Maintenance an. Diese Entwicklung spiegelt den Trend zu Abo-Modellen wider, der auch im B2B-Segment ankommt.

Marktdynamik: Großprojekte vs. Bestandssanierung

Die Nachfrage nach Gebäudeautomation konzentriert sich auf zwei Segmente: Neubau-Großprojekte im Gewerbebau und die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden. Während bei Neubauten KNX-basierte Systeme zum Standard gehören, dominiert im Retrofit-Markt nach wie vor die Skepsis gegenüber Investitionskosten. Hier punkten Hersteller, die Funklösungen und modulare Einstiegssysteme anbieten – Busch-Jaeger etwa bewirbt gezielt seine Funk-Komponenten für die Nachrüstung.

Elektrofachbetriebe berichten von steigender Nachfrage nach integrierten Lösungen, die Beleuchtung, Verschattung, Heizung und Lüftung verknüpfen. Die Herausforderung liegt jedoch oft in der Projektierung: Viele Betriebe verfügen nicht über ausreichend geschultes Personal für komplexe KNX-Installationen. Hersteller reagieren mit erweiterten Schulungsangeboten und vereinfachten Planungstools.

Ausblick: Integration und Datenhoheit als Schlüsselfragen

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das Spannungsfeld zwischen proprietären Cloud-Plattformen und offenen Standards wie KNX entwickelt. Betreiber legen zunehmend Wert auf Datenhoheit und Interoperabilität – ein Argument, das offene Systeme stärkt. Gleichzeitig locken Hersteller mit Komfortfunktionen und fernwartbaren Lösungen, die nur in geschlossenen Ökosystemen möglich sind.

Für Elektrofachbetriebe bedeutet das: Weiterbildung und strategische Partnerschaften mit Herstellern werden entscheidend, um im wachsenden Markt der Gebäudeautomation konkurrenzfähig zu bleiben. Die Regulatorik schafft Nachfrage – die Umsetzung liegt in den Händen der Errichter.