Der deutsche Markt für Elektroinstallation zeigt sich Mitte 2026 geprägt von regulatorischen Anpassungen, neuen Produktlinien etablierter Hersteller und einer verstärkten Integration von Smart Meter-Technologie. Für Elektrofachbetriebe bedeutet das: höhere Anforderungen an die Qualifikation, aber auch neue Geschäftsfelder rund um PV-Großspeicher und Gebäudeenergiemanagement.

Normative Änderungen: VDE und DIN

Die Überarbeitung der DIN VDE 0100-722 (Versorgung von Elektrofahrzeugen) ist in der Entwurfsphase. Sie präzisiert Anforderungen an Leitungsschutzschalter und Fehlerstromschutzschalter bei AC- und DC-Ladesystemen. Parallel dazu konkretisiert die VDE-AR-N 4100 (Technische Regeln für den Netzanschluss) die Vorgaben für bidirektionales Laden. Elektroinstallateure müssen sich auf erweiterte Prüfpflichten beim Potenzialausgleich einstellen, sobald die Norm in Kraft tritt.

Die ab Januar 2026 geltende Änderung der DIN 18015-1 (Elektrische Anlagen in Wohngebäuden) hebt die Mindestausstattung für Neubauten an. Gefordert sind nun standardmäßig Vorverkabelungen für Ladeinfrastruktur und mindestens ein intelligentes Messsystem pro Wohneinheit. Das erhöht den Materialbedarf, bietet Fachbetrieben aber kalkulierbare Zusatzaufträge im Neubausegment.

Produktneuheiten und Sortimentserweiterungen

Hager Group hat sein Univers-Z-Sortiment um Zählerschrank-Komponenten erweitert. Die neuen Zählerschränke bieten vorkonfektionierte Einschübe für bis zu vier Einspeisezähler und integrierte Potenzialausgleichsschienen. Hager adressiert damit den Trend zu Mehrfamilienhäusern mit dezentraler Photovoltaik und Elektromobilität.

Busch-Jaeger fokussiert sich auf Nachrüstlösungen: Das Funk-Smart-Home-System verzichtet auf Unterputzinstallation und spricht Bestandsbauten an. Parallel positioniert sich das Unternehmen im KNX-Segment für Gebäudeautomation mit erweiterten KNX-Bus-Kopplern. Busch-Jaeger strukturiert zudem sein Produktportfolio neu, um die Komplexität für Großhändler zu reduzieren.

Schneider Electric baut seine Acti9-Baureihe aus: Neue Kombinations-Fehlerstromschutzschalter (RCBO) mit integrierter Leistungsmessung ermöglichen Überwachung auf Stromkreisebene ohne zusätzliche Sensoren. Schneider Electric wurde kürzlich zum dritten Mal als nachhaltigstes Unternehmen weltweit ausgezeichnet, was Nachhaltigkeits-Audits bei öffentlichen Ausschreibungen erleichtert.

Marktdynamik: Konsolidierung und Digitalisierung

Der Großhandel meldet zweistelliges Wachstum bei Komponenten für Energiemanagementsysteme und Energiespeicher. Zugleich drückt der Preiskampf bei Standardinstallationsmaterial die Margen. Fachbetriebe verschieben ihren Umsatzschwerpunkt auf höherwertige Systeme wie Gebäudeautomation und Ladeinfrastruktur.

Die Pflicht zum Smart-Meter-Rollout für Haushalte ab 6.000 kWh Jahresverbrauch beschleunigt die Nachfrage nach Zählerschrank-Modernisierungen. Viele Bestandsbauten erfüllen die Platzanforderungen aktueller Messeinrichtungen nicht, was Umbauten im Zählerfeld nötig macht. Fachbetriebe berichten von Auftragsvorlaufzeiten von vier bis sechs Wochen allein für diesen Bereich.

Fachkräftemangel und Weiterbildung

Die Elektrohandwerke melden bundesweit rund 12.000 offene Stellen für Gesellen und Meister. Besonders gefragt sind Spezialisten für Photovoltaik & Speicher und bidirektionale Ladesysteme. Innungen und Hersteller reagieren mit kompakten Schulungsformaten: Siemens und ABB bieten Online-Zertifizierungen für Wechselrichter-Inbetriebnahme und Energiemanagement an, die in ein bis zwei Tagen absolviert werden können.

Ausblick: Integration und Schnittstellen

Die nächsten 12 Monate werden zeigen, ob sich offene Protokolle wie Matter im Wohnbau durchsetzen oder ob proprietäre Systeme dominieren. Elektroinstallateure sollten herstellerübergreifende Systemkenntnisse aufbauen, um bei Sanierungen und Erweiterungen flexibel zu bleiben. Der Trend geht eindeutig zu intelligenten Verteilungen, die über Cloud-Services ferngewartet werden können – ein Paradigmenwechsel für ein Gewerk, das bislang auf lokale Präsenz setzte.

Die Verbindung von klassischer Elektroinstallation mit Gebäudeautomation und Energiemanagement schafft neue Anforderungen, aber auch attraktive Servicemodelle für Fachbetriebe, die über reine Montage hinausdenken.